Dünndarmfehlbesiedlung

Dünndarmfehlbesiedlung bei Reizdarmsyndrom

Unter einer Dünndarmfehlbesiedlung versteht man das Kolonialisieren oder Besiedeln vom Dünndarm mit Bakterien, welche eigentlich nicht von dort stammen. Diese Erkrankung wird auch SIBO genannt, was aus dem Englischen von small intestinal bacterial overgrowth herkommt. Hierbei geht es um Bakterienstämme, welche in der Regel lediglich den Dickdarm besiedeln. Zu den klassischen Beschwerden des Dünndarminfekts gehören ein geblähter Bauch, der schmerzhaft sein kann, und Durchfälle. Hier diskutiert man die Dünndarmfehlbesiedlung als ein Auslöser vom Reizdarmsyndrom. In diesem Artikel kann mehr über die Auslöser, die Beschwerden und die Behandlung des Dünndarminfekts nachgelesen werden. Dabei berücksichtigt man die aktuellsten Erkenntnisse der Wissenschaftler.

Wie setzt sich der Dünndarm zusammen?

So wie auf dem größten Organ des Menschen, der Haut, finden sich ebenso natürlich Bakterien auf der Darmschleimhaut, welche sich mit dem Körper eng austauschen. Hierbei geht es um dem Mikrobiom vom Darm oder die Darmflora. Bei den dort lebenden Bakterien gibt es je nach Darmabschnitt Unterschiede, was ihre Art und Menge angeht. Wenn eine Fehlbesiedelung des Dünndarms vorliegt, wird von einem gestörten Dünndarm-Mikrobiom gesprochen.Je nach Muskelanspannung hat der Dünndarm beim Menschen eine Länge zwischen drei und sechs Metern. Dabei wird er in drei Abschnitte unterteilt. Das Aufnehmen und Spalten der Nährstoffe erfolgt im Dünndarm. Im Gegensatz zum Dickdarm ist ein gesunder Dünndarm, vor allem der Abschnitt vom Zwölffingerdarm, besonders bakterienarm. Dort befinden sich vor allem Milchsäurebakterien in einer Konzentration von maximal 10.000 je Milliliter. Zunächst einmal scheint das nicht wenig zu sein. Wenn man jedoch hier einen Vergleich zum Dickdarm zieht, in dem sich eine Billion Bakterien aufhalten, ist die Anzahl im Dünndarm nicht hoch. Umso näher der Dünndarm am Dickdarm zu finden ist, desto mehr Bakterien gibt es dort. Die Klappe zwischen Dick- und Dünndarm gilt als klare anatomische Grenze zwischen bakterienreich und bakterienarm, welche nahe beim Blinddarm ist.

Die oft aus dem Dickdarm stammenden Bakterien können sich bei der Dünndarminfektion im Dünndarm ansiedeln. Daraufhin erfolgt die Verdrängung des Dünndarms.

Wann kann man von einer SIBO ausgehen?

Von dieser Erkrankung kann man sprechen, wenn sich in dem Dünndarmschleim zwischen 100.000 und einer Million Bakterien je Milliliter aufhalten, wobei lediglich höchstens 1.000 Bakterien je Milliliter normal sind. Weil die Dickdarm-Bakterien Nahrung vergären, entsteht bei der Fehlbesiedlung des Dünndarms Gas. Dieses sorgt für den klassischen Blähbauch. Es ist möglich, dass geringe Gasmengen durch die Darmwand in das Blut aufgenommen und danach abgeatmet werden. Da bei einer Fehlbesiedlung der Dünndarm auf eine derartige Gasmenge nicht ausgerichtet ist, kann diese nicht komplett ins Blut zurücktransportiert werden. Es besteht auch nicht die Möglichkeit, dass sie einfach als Wind entweichen, so wie bei den Dickdarmgasen. Daraus resultiert, dass sich aufgrund der Gasproduktion die Wand vom Dünndarm dehnt. Aufgrund dessen treten die typischen Schmerzen auf, welche häufig mit einer Fehlbesiedlung des Dünndarms zusammenhängen.

Wie kann sich der Darm naturgemäß vor einer Überbesiedlung schützen?

Die körpereigenen Mechanismen schützen einem gesunden Dünndarm vor einem Fehl- oder Überbesiedeln mit Bakterien. Der Körper macht hierbei von einigen Mechanismen Gebrauch. Neben der stetigen Bewegung des Darms schützt die Magensäure davor, dass sich schädliche Bakterien ansiedeln. Der Darm befördert den Nahrungsbrei in wellenförmigen Bewegungen durch den Dünndarm hinein in den Dickdarm. Zudem schützt eine Klappe bei dem Dünndarm an dem Übergang in den Dickdarm vor einem Rückfluss. Auch die angeborene Immunabwehr vom Dünndarm und die in der Bauchspeicheldrüse zu findenden Enzyme schützen gegen eine Fehlbesiedlung des Dünndarms. In der Schleimhaut des Organs gibt es zudem bestimmte Zellen, welche zweckmäßig antibakterielle Stoffe produzieren. Diese Paneth-Zellen zählen beispielsweise dazu. Im Normalfall wird die Dünndarmflora mit den hergestellten antibiotischen Stoffen überprüft und vor dem Übersiedeln geschützt.

Welche klassischen Symptome treten bei dem Dünndarminfekt auf?

Bei einer Fehlbesiedlung des Dünndarms kommt es sowohl zu den schon genannten Beschwerden, wie Blähbauch aufgrund von Gasproduktion und den damit einhergehenden Schmerzen als auch zu weiteren Symptomen. Beim Vergären der Kohlenhydrate mithilfe der Bakterien entstehen kurzkettige Fettsäuren, welche für die Sekretion von Wasser und Elektrolyten sorgen und damit Durchfall auslösen können. Patienten wenden sich mit den bislang erwähnten Beschwerden besonders oft an die Ärzte, weswegen sich häufig die Dünndarminfekt-Symptome den Reizdarmsyndrom-Beschwerden besonders ähneln. In manchen Fällen kommt es zu weiteren Beschwerden: Ein Spalten der Gallensalze kann bewirken, dass ein Defizit der fettlöslichen Vitamine K, A, E und D, Gewichtsabnahme und Fettstühle auftreten. Die Bakterien, welche sich fälschlicherweise im Dünndarm aufhalten, brauchen zudem Vitamin B12 auf. Das kann eine Blutarmut und bei hohem Mangel ebenso neurologische Beschwerden auslösen. Wenn bei den Dünndarmzellen der Bürstensaum zerstört wird, resultiert daraus eine verringerte Verstoffwechslung der Eiweiße und Kohlenhydrate. Das tritt jedoch bei einer Fehlbesiedlung des Dünndarms eher selten auf.

Welche Auslöser gibt es bei einer Fehlbesiedlung des Dünndarms?

Liegt beim Dünndarm eine bakterielle Fehlbesiedlung vor, können dafür zahlreiche unterschiedliche Ursachen infrage kommen. Als Hauptaspekte gehören dazu eine gestörte oder verminderte Beweglichkeit vom Darm (Motilität), anatomische Veränderungen beim Magen-Darm-Trakt aufgrund von einer Operation im Darm oder Magen, eine verringerte Magensäureproduktion oder ein höheres Alter. Man kann nicht nur einen bestimmten Aspekt als Auslöser verantwortlich machen. Denn beim Entstehen des Dünndarminfekts spielen in den meisten Fällen einige Faktoren eine Rolle. Eine Pankreatitis (chronische Bauspeicheldrüsenentzündung) etwa hängt mit einer verringerten Enzymproduktion in der Bauchspeicheldrüse und einer verminderten Darmbeweglichkeit zusammen. Fettleibigkeit geht mit einer verringerten Motilität und einer veränderten Darmflora einher.

Insbesondere bei Betroffenen, bei welchen kein klarer Auslöser erkennbar ist, besteht die Möglichkeit, einen Test auf eine Fehlbesiedlung des Dünndarms zu machen.

Wie ist eine Fehlbesiedlung des Dünndarms nachweisbar?

Mit dem sogenannten Goldstandard wird der Dünndarminfekt diagnostiziert, um einen unmittelbaren Nachweis der Dünndarmschleim-Bakterien zu erhalten. Jedoch ist bei dieser Methode eine Dünndarmspiegelung vorzunehmen, was kostspielig und invasiv ist. Allerdings kommt es nicht zur Erfassung der anaeroben Bakterien. Durch den kulturellen Nachweis ist es auch nicht möglich, die Anzahl richtig zu quantifizieren. Weiterhin erfasst man lediglich beim Dünndarm den oberen Teil, von dem ebenso lediglich Proben von einigen Stellen entnommen werden. In manchen Fällen beschränken sich bei der Fehlbesiedlung die Bakterienkolonien nur auf einem bestimmten Bereich in der Darmwand. Diese werden bei der Darmspiegelung durch die Proben nicht aufgenommen. Es ist auch möglich, dass es zur Verfälschung der Probe von den Mundraum-Bakterien kommt. Insgesamt kann man sagen, dass die Dünndarmspiegelung weder als beste Untersuchung ratsam noch für einen einfachen Nachweis praktikabel ist. Daher wird sich den nicht invasiven, leichteren Tests bedient, welche trotzdem oft eine Aussage erlauben.

Von den Ärzten wird der einfacher vorzunehmende Atemtest eingesetzt. Diesen empfinden die Betroffenen oft als angenehmer im Gegensatz zur Dünndarmspiegelung.

Wie findet eine richtige Durchführung des Atemtests statt?

Bei dem Atemtest wird in der ausgeatmeten Luft Wasserstoff gemessen. Die Darm-Bakterien produzieren Wasserstoff, der im Anschluss zum Teil in den Blutkreislauf gelangt. Je nachdem, in welcher Konzentration und wann nach dem Aufnehmen einer glukosehaltigen Lösung dieser produziert wird, ist es möglich, bei einer Fehlbesiedlung des Dünndarms eine Aussage zu treffen.

Um sich auf den Test vorzubereiten, ist es wichtig, zwölf Stunden davor keine Kohlenhydrate mehr zu verzehren. Auch sportliche Betätigung, das Kauen von Kaugummi oder auch das Rauchen von Zigaretten sollte zwei Stunden vor dem Test auf keinen Fall mehr erfolgen. Damit falsche negative Ergebnisse vermieden werden, ist beim Ausatmen ein vorheriges Testen auf Methan hilfreich. Denn es gibt Bakterien, welche Wasserstoff in Methan verwandeln und somit das tatsächliche Resultat verfälschen würden.

Man nimmt den Test mit Laktulose oder Glukose vor. Im Normalfall wird Glukose schon im oberen Teil vom Dünndarm komplett aufgenommen, während in der ausgeatmeten Luft Wasserstoff lediglich bei der Fehlbesiedlung von dem Teilbereich des Organs gemessen werden kann. Es ist möglich, dass ein verfälschtes Resultat vorkommt, wenn bei der Nahrung die Passagezeit besonders kurz ist, sodass im Dickdarm die zuckerhaltige Flüssigkeit normal von den dort lebenden Bakterien abgebaut wird. Ein Test, der mit Laktulose durchgeführt wird, ist möglicherweise auch ein Hinweis auf eine Fehlbesiedlung in den weiter hinten gelegenen Dünndarmteilstücken. Ist bei der ausgeatmeten Luft ein Anstieg des Wasserstoffs vor 1,5 Stunden messbar, weist das ganz besonders auf eine Fehlbesiedlung hin.

Die Aufnahme von Laktulose erfolgt nicht natürlicherweise. Im Dickdarm wird sie erst von den Bakterien verstoffwechselt. Der Atemtest mit Laktulose gilt daher ebenso als Indikator für den Passagezeitraum der Nahrung innerhalb des Darms.

Wie erfolgt die Behandlung der Fehlbesiedlung des Dünndarms?

Viele der Reizdarm-Patienten möchten auf eine Fehlbesiedlung des Dünndarms untersucht werden. Bei einem positiven Nachweis sind jedoch ebenso die Behandlungsmöglichkeiten eingeschränkt. Als Erstes empfiehlt es sich, bei einem eindeutigen Auslöser, wie etwa einer Aussackung, eine zweckmäßige Therapie einzuleiten. Selbst bei ermittelten Vitamin-Defiziten ist es wichtig, kurzfristig eine Vitaminersatzbehandlung vorzunehmen. In diesem Artikel wird der Schwerpunkt auf das Behandeln der Fehlbesiedlung des Dünndarms beim Reizdarm gelegt. Bei SIBO helfen prinzipiell ebenso die Therapieempfehlungen der Reizdarmsyndrom-Behandlung. Diese sollten daher bei der Therapie oberste Prioriät haben.

Arzneimittel gegen Dünndarmfehlbesiedlung

Es ist möglich, diesen Dünndarminfekt medikamentös mit Antibiotika zu behandeln. Hierbei wurde in neueren wissenschaftlichen Arbeiten die Wirksamkeit von Rifaximin untersucht. Hier geht es um ein Antibiotikum, dass der Körper nicht aufnimmt und lediglich im Darm seine Wirkung entfaltet.

In mehreren Studien wurde für das Therapieren mit Rifaximin ein positiver Atemtest vorausgesetzt. Allerdings ist dieser für eine Behandlung nicht unbedingt nötig, wenn eindeutige Beschwerden gegeben sind. Bei wissenschaftlichen Untersuchungen konnte nachgewiesen werden, dass ein Großteil der Betroffenen innerhalb der ersten Wochen nach dem Einnehmen eine Verbesserung der Symptome wahrnehmen konnten. Dabei lag die Wirkung von Rifaximin erheblich über der Aufnahme eines unwirksamen Placebo-Medikaments.

Auf die Bakterienverhältnisse haben Probiotika eine günstige Auswirkung. Daher können sie auch eingenommen werden, weswegen man sie ebenso als Arzneimittel gegen Reizdarmsyndrom aufführt. Bei Probiotikum muss die jeweilige Art individuell abgestimmt werden.

Durch neue wissenschaftliche Arbeiten konnte belegt werden, dass pflanzliche Präparate genauso wirksam sind, wie Rifaximin. Bei diesen Studien wurden Allicin, Pfefferminzöl, Sauerdornbitter, Neemöl, Wermut und Oregano eingesetzt.

Ist gegen die Fehlbesiedlung des Dünndarms eine Stuhltransplantation hilfreich?

Derzeit wird bei dem Dünndarminfekt in den ersten wissenschaftlichen Untersuchungen eine Stuhltransplantation erprobt. Jedoch kann bis jetzt noch nicht ausreichend bewiesen werden, dass bei einer Fehlbesiedlung diese Transplantation effektiv ist. Nur wer unter einem schweren Infekt leidet, der vom Bakterium Clostridium difficile ausgelöst wird, dem wird die Stuhltransplantation empfohlen. Daher ist es wichtig, dass Patienten mit einer Fehlbesiedlung des Dünndarms und Reizdarmsyndrom diese Behandlungsform außer Betracht lassen. Teilweise treten bei Stuhltransplantationen starke unangenehme Begleiterscheinungen auf. Zudem weiß man noch nichts bei der Behandlung über die Langzeitfolgen.

Doktor Pimentel, ein Arzt aus den USA, konnte in einer Studie belegen, dass durch eine Elementar-Diät die Beschwerden der Fehlbesiedlung des Dünndarms und der Atemtest erheblich verbessert werden konnten. Hierzu trinkt man eine Flüssigkeit, welche leicht verdauliche Nährstoffe enthält. Diese wird im oberen Drittel vom Dünndarm aufgenommen. Die Elementar-Diät ist schließlich eine noch einschränkendere Art der low-FODMAP-Diät. Nachdem vermutet wird, dass sich eine Fehlbesiedlung von dem unteren Dünndarm näher zum Magen hin verbreitet, erhalten in den unteren Dünndarmabschnitten die Bakterien keinerlei Nährstoffe mehr, was deren Vermehrung verhindert.

Die Resultate dieser Forschungsarbeit nahm man bis jetzt nicht in die offiziellen Empfehlungen auf. Daher wird nicht dazu geraten, diese Diät durchzuführen.

Wichtig ist, dass eine Behandlung unter medizinischer Aufsicht erfolgt. Aus der besonders restriktiven Diät können bereits mittelfristig gesundheitliche Risiken, wie etwa eine Mangelernährung folgen. Doktor Siebeker, eine Wissenschaftlerin, rät zu einer alternativen Kombination, welche selbst zusammenstellbar ist. In einer klinischen Forschungsarbeit wurde weder die Wirkung noch die Verträglichkeit getestet, weswegen ein derartiger Behandlungsversuch eher nicht empfohlen wird.

Kommt bei den Reizdarm-Patienten oft eine Fehlbesiedlung des Dünndarms vor?

Bei Reizdarmsyndrom gilt die veränderte Beweglichkeit vom Darm als häufiger Auslöser der Fehlbesiedlung. Selbst beim postinfektiösen Typ des Reizdarms ist es möglich, dass der Dünndarminfekt vermehrt vorkommt. Beim Reizdarmsyndrom Typ mit Durchfällen tritt eine Fehlbesiedlung des Dünndarms öfter auf. Bei durchschnittlich 54 Prozent der Reizdarm-Patienten liegt ein positiver Atemtest vor, wie ein systematisches Auswerten von vielen Forschungsarbeiten belegt. Allerdings ist bei den Studien das Resultat hauptsächlich davon abhängig, wo man bei einem positiven Atemtest der Schwellenwert setzt. Daher ist er nicht genau. Es ist auch nicht möglich, bei Durchfall, Schmerzen, Blähungen, Blähbauch und anderen Reizdarm-Symptomen davon auszugehen, dass mit großer Wahrscheinlichkeit wegen der Beschwerden eine bakterielle Fehlbesiedlung vorhanden ist.

Ein Atemtest stellt lediglich ein Anhaltspunkt dar. Daher sollte das Einnehmen von Rifaximin gut abgewägt werden. Es ist lediglich eine der letzten Behandlungsmöglichkeiten, wenn weitere Therapien bei Reizdarm nicht erfolgreich waren.

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