Unser Körper, allen voran das Innere unseres Darms, umfasst eine große Zahl an Mikroorganismen (auch Mikrobiota genannt), welche in Bezug auf den Darm als die so genannte Darmflora bezeichnet werden. In den letzten Jahren gab es immer mehr Anzeichen dafür, dass diese eine sehr große Rolle für eine ganze Reihe von Körperfunktionen spielt. Deshalb analysieren Wissenschaftler heutzutage auch gerne das so genannte Mikrobiom, wobei dieses alle genetischen Informationen der Mikroorganismen bezeichnet. In Bezug auf das so genannte Reizdarmsyndrom, zu dem leider nur wenige kontrollierte Studien existieren, ist bekannt, dass es eine pathologische Veränderung der mikrobiellen Besiedlung des Darms gibt.

Der größte Teil unserer gesunden Darmflora besteht aus Bakterien, die mutualistisch oder symbiotisch für uns sind. Von diesem Verhältnis profitieren sowohl die Bakterien als auch unser Körper. Die Bakterien schützen uns zum Beispiel von der Besiedlung mit pathogenen Bakterien, haben aber auch eine wichtige Rolle in Bezug auf unsere Verdauung. Auf der anderen Seite ist unser Darm eine nährstoffreiche, abgeschlossene und geschützte Umgebung, in der sich die Bakterien ungestört entwickeln können. Betrachtet man die Gesamtanzahl an Organismen in der Darmflora, so übersteigt diese Zahl mit 100 Billionen die Gesamtzahl unser menschlichen Zellen um das Zehnfache. Dabei summiert sich die Anzahl der exprimierten Gene auf das Hundertfache Ihres Körpers.

 

Was ist die Aufgabe der Darmflora?

  1. Durch die Darmflora wird unser Stoffwechsel gefördert

Die genetische Diversität der Mikroorganismen erlaubt es, dass diese eine große Anzahl an Funktionen erfüllen können, zu denen die menschlichen Zellen nicht in der Lage sind. Dazu gehören unter anderem:

  • Die Synthese von nicht-essentiellen und essentiellen Aminosäuren
  • Die Synthese von bestimmten Vitaminen, wie B1, B2, B6, B12 und K
  • Der Abbau von potentiell giftigen Verbindungen
  • Synthese aller essenziellen und nicht-essenziellen Aminosäuren
  • Die Spaltung von langen Kohlenhydraten, welche durch die Zellen des Menschen nicht verstoffwechselt werden können

Insgesamt kann man sagen, dass die Darmflora gewährleistet, dass es eine optimale Versorgung unseres Körpers mit den unterschiedlichen Nährstoffen gibt, so lange diese oder deren Vorstufen in den Nahrungsmitteln vorhanden sind. Unter Umständen kann jedoch eine Störung der Darmflora dazu führen, dass Störungen Ihrer Verdauung entstehen oder zumindest für die Symptome verantwortlich sein. Ein Beispiel dafür ist die so genannte Laktoseintoleranz. Bei dieser Krankheit ist der Körper nicht in der Lage, den Milchzucker (Laktose) aus den Milchprodukten durch das Enzym Laktase zu spalten. Dadurch können die Bakterien der Darmflora diesen Nährstoff vergären, wodurch es zu Durchfall, Blähungen und Krämpfen kommen kann.

  1. Die Darmflora spielt eine wichtige Rolle für das menschliche Immunsystem

Auch in unserem Darm konkurrieren die unterschiedlichen Arten von Bakterien um die nur begrenzt vorhandenen Nährstoffe. Dies führt dazu, dass es eindringenden, pathogenen Bakterien erschwert wird, sich in unserem Darm einzunisten, wenn unsere Darmflora intakt ist. In der Wissenschaft bezeichnet man dies auch als Konkurrenzausschlussprinzip.

Durch die Faltung in Darmzotten und -vili besitzt unser Magendarmtrakt eine sehr große Oberfläche, welche die Fläche unserer Haut um ein Vielfaches übersteigt. Weil über diese Oberflächenstrukturen auch Nährstoffe aufgenommen werden müssen, kann diese zudem nicht so dicht wie die Haut sein. Aus diesem Grund hat auch das Immunsystem unseres Darms eine wichtige Rolle in der Verteidigung gegen Pathogene.

Die Darmflora beginnt dabei schon in frühsten Kindesalter unser Immunsystem zu trainieren, sodass dieses in Zukunft besser zwischen harmlosen (bzw. sogar nützlichen) und pathogenen Mikroorganismen unterscheiden kann. Daher hat die initiale Besiedlung unseres Darms weitreichende Konsequenzen bis weit in das Leben eines Erwachsenen. So sind Kinder, welcher eine „gute“ Darmflora besitzen, in ihrer weiteren Entwicklung partiell vor Allergien geschützt. Man geht dabei davon aus, dass ein mangelndes Training des jungen Immunsystems die Allergieentwicklung begünstigen kann.

  1. Die Wechselwirkungen zwischen unserer Darmflora und unserem Nervensystem

Neue wissenschaftliche Arbeiten zeigen, dass es Kommunikationskanäle gibt, welche Signale der Darmflora mit Hilfe von immunologischen Botenstoffen, Hormonen und Nervensignalen an den Rest des Körpers weitergeben kann. Dies gilt auch für den Informationstransport zu unserem Gehirn. Im Gegenzug ist unser Gehirn in der Lage, bestimmte Funktionen unseres Darms zu beeinflussen. Dies gilt unter anderem für die Sekretion von Schleim, die Abwehr durch unser Immunsystem sowie die Motilität des Darmtrakts. Auf diese Art und Weise gibt es auch Konsequenzen für die Darmflora, weil verschiedene Bakterienspezies einen Vor- oder Nachteil haben können. Ein Beispiel dafür ist, dass Stress das Mikromilieu und damit die Darmflora beeinträchtigen kann.

Einige Wissenschaftler schreiben der Darmflora auch eine Rolle bei der Entstehung von so genannten neurodegenerativen Krankheiten, wie Parkinson und Alzheimer, zu. So war man in der Lage durch das Einbringen des Proteins αSynuclein in den Darmtrakt von Mäusen zu einem Transport in das Gehirn führen kann. Dieses ist wiederum eine typische Ablagerung von Parkinsonpatienten. Zusätzlich regulieren die Darmbakterien auch den Blutspiegel von Serotonin. Dieser wichtige Botenstoff ist wichtig für die Übertragung von Nervensignalen. Dabei assoziieren verringerte Spiegel dieses Stoffs mit der Entstehung von Depressionen und verändern die Signalverarbeitung im Gehirn.

Wie setzt sich Ihre Darmflora zusammen?