Immer dieses Brennen

Wer über Magenprobleme klagen muss wird dies sehr oft als Sodbrennen klassifizieren. Mit dieser Eigendiagnose kann man richtig aber auch komplett falsch liegen. Die Haupt-Symptome von Sodbrennen können gleich, oder ähnlich sein wie bei vielen anderen Beschwerden im Magen – Darm -Trakt.

  • Das Gefühl zu viel gegessen zu haben (Völlegefühl)
  • Ein „rumoren“ im Magen
  • Im Mund ein undefinierbarer und auch unangenehmer Geschmack
  • Im Rachen tritt ein „brennender“ Schmerz auf
  • Der Mageninhalt stösst auf, so dass man glaubt sich gleich übergeben zu müssen

Ärzte sprechen bei diesen Anzeichen von einer möglichen Refluxkrankheit. Sodbrennen kann jedoch schon mal vorkommen und hat nicht unbedingt etwas zu bedeuten. Schon etwas zu grosse Mahlzeiten oder auch zu viele Getränke können ein gelegentliches Sodbrennen verursachen.

Gehört Sodbrennen zum täglichen Ritual wie die Nahrungsaufnahme, dann könnte es sich tatsächlich um eine Refluxkrankheit handeln.

Reflux – (Krankheit) bedeutet nichts anderes, wie dass der Mageninhalt den Weg zurück zur Speiseröhre nimmt. Der Mageninhalt fliesst also zurück.

Dadurch entsteht jeweils ein Aufstossen. Da sich der Mageninhalt oft schon im Gärungsprozess befindet können so auch unangenehme Gerüche entstehen. Beim zurückfliessen des Mageninhaltes zur Speiseröhre wird diese gereizt. Diese Reitzungen werden gemeinhin als Sodbrennen bezeichnet.

Deshalb kann nicht von einer eigentlichen Erkrankung im Sinne des Wortes gesprochen werden.

Solche Rückflüsse können bei banalen Unregelmässigkeiten, wie beispielsweise bei einer zu üppigen Nahrungsaufnahme auftreten wenn sich ganz einfach der Magen überdehnt. Es kann aber durchaus vorkommen dass der Verschluss, der sich zwischen dem Magen und der Speiseröhre befindet  nicht einwandfrei arbeitet. In solchen Fällen kann es zu andauernden Rückflüssen kommen was dann als chronisches Sodbrennen bezeichnet wird.

Ist dieser Verschluss dauerhaft gestört, sprechen die Ärzte von einer Refluxkrankheit.

Dieses Phänomen ist nicht neu und ein Ergebnis des Wohlstandes der Industrienationen. Schätzungen gehen davon aus, dass rund 15% unserer Bevölkerung an einer Refluxkrankheit leidet. Mit gelegentlichem Sodbrennen müssen rund 30% der Einwohner in Deutschland leben.

Bei schwangeren Frauen liegt der Anteil im letzten Drittel der Schwangerschaft nochmals wesentlich höher. Es wird davon ausgegangen dass bis zu 85% der schwangeren Frauen sich mit Sodbrennen abfinden müssen.

Kleinkinder sind sehr oft von einem Reflux betroffen. Sie übergeben gerne mal ganz kleine Mengen der aufgenommenen Nahrung, Milch oder etwas später auch Brei. Dies ist aber ganz normal und kein Anlas zur Besorgnis. Der Muskel der den Magen verschliessen muss zeigt noch Schwächen.

Einen Kinderarzt aufzusuchen ist erst angesagt wenn sich ein Kind öfters erbricht, also die ganze Nahrungsaufnahme übergibt.

Ein gelegentliches Sodbrennen bei erwachsenen ist an sich nicht als beängstigend zu erachten, allerdings etwas unangenehm. Hat jemand öfters Sodbrennen ist eine Entzündung der Schleimhaut keine Seltenheit. Dadurch können sich sich im unteren Teil der Speiseröhre die Zellen verändern was die Ärzte als Barett-Ösophagus bezeichnen. Ein erhöhtes Risiko an Speiseröhrenkrebs zu erkranken kann nicht ausgeschlossen werden. Um dieses Risiko zu vermeiden sollte bei häufigem Sodbrennen ein Arzt konsultiert werden.

Mögliche Verursacher von Sodbrennen

Die Auswahl möglicher Ursachen von Sodbrennen ist bunt wie ein Regenbogen und oft nicht zu eruieren.

Klar belegt ist jedoch, die Lebensweise spielt hier eine dominante Rolle. Besonders das Essverhalten wie auch die Ernährung spielen massgebend mit. Konkret: Was wird wann in welchen Mengen konsumiert. Nicht zu vergessen ist auch der Faktor Stress. In Stresssituationen wird mehr Magensäure produziert was die Magenentleerung hemmt. Die Folge ist Reflux, also Sodbrennen.

Weitere bekannte Ursachen für Sodbrennen:

  • Übermässiger Alkoholkonsum
  • Rauchen
  • Zu wenig Bewegung mit Übergewicht
  • Es werden zu grosse und zu fette Portionen gegessen
  • Gewürze mit Schärfe wie Senf, Meerrettich und auch zu viel Knoblauch
  • Falsche Zeit für die Hauptmahlzeit, also wenn erst am Abend „richtig“ gegessen wird
  • Die Einnahme verschiedener Arzneien

Sodbrennen kann jedoch auch eine Begleiterscheinung anderer bereits vorhandener Krankheiten sein.

  • Achalasie (Speiseröhrenkrämpfe)
  • Funktionelle Dyspepsie (Reizmagen)
  • Gastritis (Magenschleimhautentzündung)
  • Hiatushernie (Zwerchfellbruch)
  • Ulcus ventriculi (Magengeschwür)

Normalerweise verbleibt feste Nahrung so um die fünf Stunden im Magen. Verzögert sich der Stuhlgang führt dies zu Reflux wie auch Sodbrennen. Flüssige Nahrung braucht bei leerem Magen gerade mal rund 20 Minuten um in den Dünndarm zu gelangen.

Bei einer Verzögerung der Magenentleerung  sprechen Mediziner von einer Magenlähmung, (Gastroparese). Findet der Mediziner keine erklärbaren Grund für die Magenlähmung kommt der Fachausdruck idiopathischen Gastroparese zum Einsatz.

Vorerkrankungen oder auch operative Eingriffe können als Verursacher von einer Magenlähmung in Betracht gezogen werden, beispielsweise:

  • Muskel-und-Nervenerkrankungen
  • Diabetes
  • Kollagenosen (Bindegewebeerkrankungen)

Im Schnitt produziert der Magen zwischen zwei und drei Litern an Magensaft. Dieser Magensaft ist notwendig für:

  • Die Nahrung wird in Etappen verdaut
  • Die Nahrung wird in kleinere Teile aufgelöst
  • Der Magensaft bietet Schutz vor Krankheitserregern

Produziert wird dieser Magensaft von Magendrüsen die sich in den Schleimhautfalten befinden. Magensaft enthält unter anderem auch Verdauungsenzyme und Salzsäure und ist sehr aggressiv.

Sodbrennen bei schwangeren Frauen ist als ganz natürlich zu betrachten. Mit der fortschreitenden Schwangerschaft steigt der Druck auf den Magen da die Gebärmutter immer mehr Platz benötigt. Andererseits wird durch die Hormone einer Schwangerschaft das Bindegewebe des Muskels gelockert was zu einem Reflux führen kann.

Nach der Geburt des neuen Erdenbürgers wird sich der Hormonhaushalt jedoch wieder normalisieren und Sodbrennen ist kein Thema mehr.

Typische Symptome von Reflux

Allgemein wird von Sodbrennen gesprochen, weil den wenigsten Menschen bekannt ist worum es sich eigentlich handelt und warum es zu diesen Beschwerden kommt. Die Beschwerden sind im Hals bis hinunter zur Speiseröhre zu verspüren.

  • Öfters aufstossen hauptsächlich nach Mahlzeiten
  • Das Gefühl zu viel gegessen zu haben
  • Magengeräusche
  • Der Rachen scheint entzündet zu sein
  • Ein unangenehmer Geschmack breitet sich im Mund aus

Im Extremfall kann es soweit kommen, dass man sich am liebsten übergeben möchte da der Magensaft bis in den Mund vordringt. Gesellen sich jedoch noch Magenkrämpfe dazu, dann dürfte die Problematik eher in einer Magenerkrankung zu suchen sein.

Auch weitere Indizien deuten auf Reflux hin

  • Hustenanfälle wenn der Magensaft der zurück fliesst eingeatmet wird
  • Der Schlaf kann von schnarchen begleitet werden
  • Die Magensäure kann Schäden an den Zähnen verursachen
  • Reflux-Asthma (Die Atemwege können gereizt sein)
  • Ein unruhiger, gestörter Schlaf
  • Schmerzen in der Brust die aber nicht kardilar sind
  • Veränderung der Stimme durch Reitzungen am Kehlkopf und den Stimmbändern

Reflux-Symptome und Sodbrennen tritt am häufigsten auf wenn Druck auf den Magen ausgeübt wird. Also vorwiegend nach (zu üppigen)-Mahlzeiten, zu feste angezogene Gürtel und auch enge Klamotten.

Im Gegensatz zu einem „normalen“ Sodbrennen kann Reflux bei Nichtbehandlung zu ernstzunehmenden Komplikationen führen.

  • Die Speiseröhre kann mit Krebs befallen werden
  • An der Speiseröhre können Blutungen auftreten
  • Die Speiseröhre kann durch vernarbende Entzündungen verengen

Wann sollte der Gang zu Arzt gemacht werden?

Dauer und Symptome sind ein guter Ratgeber sich einem Arzt anzuvertrauen. Er kann dann gezielt behandeln. Indizes die einen Arztbesuch unumgänglich machen sind:

  • Die Beschwerden wiederholen sich laufend
  • Die Beschwerden halten über einen längeren Zeitraum vor
  • Die Symptome sind zuzuordnen
  • Beschwerden beim Schlucken mit Schmerzen verbunden
  • (Anämie) Dauernde Müdigkeit die auf Blutarmut schliessen lässt
  • Durchfall
  • Erbrechen
  • Blut im Stuhlgang
  • Blut im Erbrochenen
  • Gewichtsverlust

Der Arzt muss nun herausfinden was dieses unangenehme Sodbrennen auslöst. Dazu wird er dem Patienten einige Fragen zu seiner Krankheitsgeschichte und seinem Lebensstiel und Umfeld stellen. Der Auslöser kann in einer Lebensmittelallergie sein. Auch Stress privater oder geschäftlich kann auf den „Magen schlagen“.

Gelegentlich sind auch Medikamente die Sodbrennen verursachen. Bei der Befragung werden auch Krankheiten von Familienmitgliedern durchleuchtet.

In erster Instanz hat der Arzt die Möglichkeit vorab erst einmal Eine Therapie auf Probe zu veranlassen. Dazu wird er Protonenpumpenhemmer verschreiben. Löst sich damit die Problematik nicht in Wohlgefallen auf wird der Arzt Reflux diagnostizieren müssen. Er wird  weitere Untersuchungen veranlassen.

Spiegelungen vom Magen, der Speiseröhre und dem ersten teil des Dünndarms werden vorgenommen. Dazu bekommt der Patient eine leichte Betäubung weil es doch recht unangenehm ist. Eine kleine Mikrokamera wird via eines dünnen biegsamen Schlauchs eingeführt. Der Arzt kann sich dann auf einem Monitor das „Innenleben“ 1:1 ansehen und sich seine Diagnose bestätigen lassen.

Der Arzt kann sich nun festlegen in welche der zwei möglichen Refluxkrankheiten er die Ursache zu sehen glaubt.

  • Ist die Schleimhaut geschädigt oder/und entzündet wird von einer erosiven Refluxkrankheit gesprochen. In diesem Fall wird eine Gewebeprobe genommen die dann weiter untersucht wird.
  • Ist dies nicht zu ersehen, dann bleibt nur noch Variante B, eine Refluxkrankheit die nicht erosive ist.

Im Zweifelsfall hat der Arzt weitere Untersuchungsoptionen. Der pH-Wert kann gemessen werden. Dies gibt Aufschluss ob abnormal viel Magensäure zurück fliesst.

Mit der Messung des Muskeldrucks, (Manometrie) in der Speiseröhre kann analysiert werden ob die Beweglichkeit der Speiseröhre ausreichend ist.

Reflux und Sodbrennen möglichst effektiv therapieren

Bevor „gröbere Geschütze aufgefahren“ werden kann durchaus versuch werden mit homöopathischen Produkten die Lage in den Griff zu bekommen. Nicht selten führt eine solche Behandlung zum Erfolg. Medikamente oder gar operative Eingriffe sollten erst in zweiter Instanz in Betracht gezogen werden. Bekanntlich haben alle künstlich hergestellten Medikamente mehr oder weniger starke Nebenwirkungen. Zudem werden lediglich die Symptome und nicht die Ursachen bekämpft.

Gegen Sodbrennen verordnen Ärzte in der Regel Protonenpumpenhemmer. Damit wird erreicht, dass weniger Magensäure produziert wird. Nach Rücksprache sind solche Protonenpumpenhemmer auch für schwangere Frauen als unbedenklich einzustufen.

Protonenpumpenhemmer sind allgemein gut verträglich und werden ca. eine halbe Stunde vor dem Frühstück eingenommen.

Eine solche(Probe) – Behandlung ist für zwei Wochen ausgelegt. Werden die Beschwerden weniger oder klingen ganz ab ist Reflux als sicher anzusehen. Die Schleimhaut erholt sich zunehmend. Somit kann davon ausgegangen werden, dass die Behandlung anschlägt und wird für zwei weitere Wochen aufrecht erhalten.

Verschwinden die Beschwerden nach einem Monat Behandlung kann auf Protonenpumpenhemmer verzichtet werden.

Treten die Beschwerden jedoch gelegentlich wieder auf kann je nach Bedarf erneut mit Protonenpumpenhemmern reagiert werden. Es kann auch sein, dass nach einer längeren beschwerdefreien Phase die Problematik erneut beginnt. In diesem Falle kann mit einer weiteren Therapie über 4 Wochen Gegensteuer gegeben werden.

Wie alle Medikamente sind auch Protonenpumpenhemmer nicht ganz ohne mögliche Nebenwirkungen. Bekannt sind:

  • Vorsicht ist geboten wenn gleichzeitig noch andere Medikamente eingenommen werden, (Wechselwirkungen)
  • Der Dünndarm nimmt zu wenig Vitamin b12 auf
  • Das Risiko für Infektionen durch Baktrien im Verdauungstrakt steigt
  • Die Darmflora gerät aus dem Gleichgewicht
  • Mangel an Magnesium
  • Wirbelkörper und Oberschenkelhälse werden anfälliger gegen Brüche

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Sodbrennen ist sicherlich keine Sache die man sich wünscht, kann aber gelegentlich vorkommen. Die Ursache ist meistens zu üppige oder falsche Nahrungsaufnahme und somit eine Sache von Stunden oder Tagen.

Von der früheren Ansicht Natron wäre ein geeignetes Gegenmittel zu Sodbrennen ist man zwischenzeitlich wieder abgekommen.

  • Besser kann ein Glas Milch sein
  • Mandeln sollen Magensäure neutralisieren
  • Gut sein sollen auch Lebensmittel mit einem hohen Anteil an Stärke die die Magensäure aufsaugt.Bananen, Weissbrot oder auch Zwieback
  • Verschiedene Teesorten helfen. Anis,Fenchel Kümmel oder auch Kamille
  • Nicht bestritten wird auch, Kaugummi kauen soll helfen. Der produzierte Speichel neutralisiert ebenfalls die Magensäure

Vorbeugen ist besser wie heilen

Eine halbwegs vernünftige Lebensweise hilft nicht nur gegen Sodbrennen vor zu beugen. Etwas mehr Bewegung kann kleine Wunder bewirken. Bewusst gelegentlich kleinere Anstrengungen auf sich nehmen tut dem ganzen Körper gut. Mal zu Fuss gehen oder das Fahrrad für kurze Strecken benutzen. Anstelle des Fahrstuhls zu nehmen auch mal ein paar Treppen steigen.

Auch beim Essen etwas darauf zu achten was man in welchen Mengen zu sich nimmt kann nicht verkehrt sein. Man braucht nicht Kalorienzähler zu werden, aber eine abwechslungsreiche Kost mit viel Obst und Gemüse ist eine gute Voraussetzung keine Magen-Darm-Probleme zu bekommen. Öfters mal Fisch wie Fleisch oder auch mal ein Müsli mit viel Früchten und Nüssen ist eine gute Wahl.

Grundsätzlich sollte etwas auf den Fettgehalt der Speisen geachtet werden, was aber nicht bedeutet auf alles verzichten zu müssen was schmeckt.

Genau so verhält es sich mit Genussmitteln wie beispielsweise Alkohol. Ab und zu ein Glas Wein zum Essen, ein Stück Torte zum Dessert, zum krönenden Abschluss eine feine Zigarre wird kaum einen Einfluss auf das allgemeine Wohlbefinden und die Lebenserwartung haben. ABER nicht jeden Tag und alles in einem vertretbaren Mass.