Zöliakie: Von was ist hier die Rede?

Bei der Erschaffung der Menschen hätte der liebe Gott doch dies und jenes etwas vereinfachen können.

Besonders mit dem Magen-Dar-Trakt hat er ein sehr sensibles Gefilde geschaffen. Dieses empfindliches Konstrukt ist sehr anfällig gegen vielerlei Krankheiten und Entzündungen bis hin zu Geschwüren oder gar Krebs.

Schon harmlose Ursachen können die Lebensqualität beträchtlich einschränken. Die Diagnose um die Ursachen der Beschwerden gestaltet sich meist nicht einfach. Kann eine Ursache jedoch 100% zugewiesen werden, sind die Chancen hoch, zu heilen oder zumindest Linderung zu verschaffen.

Fällt in einem Patientengespräch das Wort Zöliakie hört sich dies im ersten Moment beunruhigend an. Dies ist kein Grund sich ernsthafte Sorgen zu machen, allerdings sollte den Ursachen möglichst schnell auf den Grund gegangen werden.

Zöliakie ist lediglich der Fachausdruck für eine Glutenunverträglichkeit. Bekannt ist Zöliakie auch unter:

  • Gluteninduzierte Enteropathie
  • Glutenintoleranz
  • Glutensensitive Enteropathie
  • Glutenallergie
  • Glutensensitivität
  • Bei Kindern wurde früher der Name Sprue verwendet

Da es sich bei „Sprue“ um keine eigentliche Kinderkrankheit handelt wird dieser Ausdruck jedoch kaum noch verwendet.

Wie viele Menschen wirklich an Zöliakie leiden ist noch nicht genau erfasst worden. Schätzungen gehen davon aus, dass bis zu 1% aller Menschen davon betroffen sind.

Das Reizdarmsyndrom äussert sich in vergleichbaren Symptomen ist aber öfters anzutreffen. Hier gehen die Schätzungen davon aus, dass alleine in Deutschland etwa 15 Millionen Menschen davon betroffen sind.

Gluten sind eine Ansammlung verschiedener Stoffe, an sich ganz normal und auch harmlos. Reagiert das Immunsystem anormal heftig kann sich der Dünndarm entzünden. Darmzotten sind für die Aufnahme von Nährstoffen zuständig. Sie werden durch eine Überreaktion des Immunsystems beschädigt. Genau genommen wird die Darmschleimhaut ausgestülpt. Dies führt zu einer Vergrösserung der Darmoberfläche.Somit können mehr Nährstoffe aufgenommen werden.

Die sogenannten Gluten bestehen nicht wie irrtümlich oft angenommen aus einem einzigen Stoff. Vielmehr handelt es sich um eine Ansammlung verschiedener Eiweisse. So etwa Glutenin wie auch Gliadin. Im Zusammenhang von Gluten wird gelegentlich auch von   Klebereiweiss gesprochen.

Zu finden sind Gluten in Getreidesorten wie Roggen, Weizen, Dinkel, Gerste. Der Bäcker ist auf solche Gluten angewiesen. Der Teig wird geschmeidiger, die Backeigenschaften verbessern sich. So ist es naheliegend dass Zöliakie gelegentlich auch als Weizenallergie betitelt wird.

Bei einer eigentlichen Weizenallergie werden verschiedene Eiweisse die sich im Weizen befinden durch das Abwehrsystem des Körpers geblockt. Bei Zöliakie sind jedoch ist nur das Gluten kritisch.

Daneben ist auch eine Unverträglichkeit gegen Weizenbestandteile bekannt. Welche Bestandteile im Weizen für einige Menschen unverträglich sind ist noch nicht restlos geklärt worden. Die Indizien deuten darauf hin, dass Eiweisse und nicht das Gluten dafür verantwortlich sind.

Es gibt viele mögliche Ursachen für Zöliakie

Fachleute gehen davon aus, ein eine Immunabwehr die fehl geleitet wird die Hauptursache für Zöliakie ist. Somit wird Zöliakie der Familie der Autoimmunerkrankungen zugeordnet. Das Immunsystem reagiert auf Gluten übermässig und ist vererblich. Dadurch werden Darmzotten zerstört, was zu einem anhaltenden Nährstoffmangel führt.

Immunreaktionen werden durch Gewebemerkmale gesteuert. Welche Gewebemerkmale ein Mensch hat, wird vererbt. Ärzte sprechen bei Zöliakie von einer genetischen Grundlage als indirekten Auslöser. Menschen mit einer Glutenunverträglichkeit müssen nicht zwangsweise ganz bestimmte Gewebemerkmale aufweisen.

Zu den Menschen die das Risiko in sich tragen Zöliakie zu bekommen zählen:

  • Verwandte 1. Grades
  • Menschen die an Diabetes mellitus vom Typ 1 vorbelastet sind
  • So auch Menschen mit Hashimoto-Thyreoiditis (Schilddrüsenentzündung)
  • Auch das Down-Syndrom kann ein Auslöser sein

Auch Einflüsse von aussen können nebst den ererbten Faktoren wie auch immunologischen Faktoren zu Zöliakie führen. Allerdings ist sich die Wissenschaft noch uneins was alles genau eine Rolle spielen könnte.

Im Gespräch sind beispielsweise:

  • Über längere Zeit eingenommene Medikamente
  • Darminfektionen
  • Eine zu glutenhaltige Ernährung

Auf Grund von Symptomen Zöliakie zu diagnostizieren ist fast unmöglich

Die Symptome bei einer Glutenunverträglichkeit sind individuell. Ärzte sprechen sogar von einem „Chamäleon“ weil sich die Symptome verändern können.

Symptome können sowohl im Darm, wie auch extern auftreten was dem Facharzt  (Gastroenterologe) Diagnose erschwert.

Zu den typischen intestinalen Symptomen zählen sicherlich:

  • Probleme mit dem Stuhlgang, was sich in Verstopfung aber auch in Durchfall äussern kann

Extraintestinale Symptome:

  • Übelkeit bis hin zu Erbrechen
  • Ein Blähbauch
  • Bauchschmerzen die chronisch sein können
  • Blähungen

Auch sogenannte Fettstühle können ein Indiz auf eine mögliche Glutenunverträglichkeit sein. Darmbeschwerden resultieren aus einer Schädigung des Darms auf Grund einer  Glutenallergie.

Andere Beschwerden deuten nicht ausschlisslich auf Zöliakie hin, können aber auftreten wenn Zöliakie nicht behandelt wird.

Dazu gehören:

  • Das Wachstum bei Kindern kann sich verzögern, die Pubertät setzt verspätet ein
  • Unerklärlicher Gewichtsverlust
  • Störungen der Schilddrüsenfunktion
  • Müdigkeit
  • Schlaflosigkeit
  • Schwäche
  • Depressionen
  • Im Mund können sich schmerzhafte Bläschen bilden
  • Blutgerinnungsstörungen was schnell Hämatome erscheinen lässt
  • Nachtblindheit
  • Muskelschwächen bis hin zu zitternden Muskeln
  • Der Zahnschmelz kann sich verändern
  • Kopfschmerzen
  • Anämie (Blutarmut)
  • Defizite der Nährstoffen
  • Ein Mangel an Eisen
  • Schädigungen der Nerven
  • Gefühlsstörungen (Wahrnehmungsstörungen)
  • Ödeme (Wasser im Gewebe)

Als Spätfolge von Zöliakie kann  Osteoporose, (erhöhte Knochenbrüchigkeit) auftreten. Ein Mangel an Vitamin D und Calcium hemmen den Stoffwechsel der Knochen. Häufige Knochenbrüche schon bei kleinen Ereignissen ist die Folge.

Eine Osteoporose kann sich bilden wenn:

  • Zöliakie erst spät, also im Erwachsenenalter diagnostiziert wird
  • Durch Ernährungsfehler
  • Dünndarm wie auch Darmzotten sich nicht genügend regenerieren können
  • Chronisches Untergewicht
  • Bei Laktoseintoleranz

Wird Zöliakie und eine sich anbahnende Osteoporose rechtzeitig erkannt kann jedoch das Ruder noch „rumgerissen“ werden. Mehr Bewegung und die Einnahme von Calcium nach Bedarf kann einiges bewirken.

Mit dem verzehr von Lebensmitteln mit einem hohen Anteil an Calcium braucht es erst gar nicht so weit zu kommen. Dazu gehören unter anderem:

  • Salate
  • Sesam
  • Sauerkraut
  • Kresse
  • Mandeln
  • Vollkornbrot
  • Fenchel
  • Hülsenfrüchte
  • Brokkoli
  • Grünkohl

Ärzte unterscheiden anhand der Symptome unter fünf verschiedenen Formen von Zöliakie.

  • Die klassische Zöliakie mit den Symptomen die den Darm betreffen.
  • Die symptomatische Zöliakie die sowohl die typischen intestinalen Symptome wie aber auch eher untypische extraintestinale Symptome aufweist.
  • Die subklinische Zöliakie, eine Glutenunverträglichkeit ohne erkennbaren Symptome. Eine Diagnose ist lediglich über den Darm wie das Blutbild möglich.
  • Die refraktäre Zöliakie, also eine Glutenunverträglichkeit, bei dem der Patient auch nach dem Verzicht auf Gluten seit einem oder über einem Jahr, noch oder wieder entsprechende Symptome beklagen muss.
  • Die potenzielle Zöliakie. Die Darmhaut scheint hier in Ordnung zu sein, lediglich dass Blutbild weist auf eine mögliche Glutenunverträglichkeit hin. Man könnte auch sagen der Arzt ist ratlos. Eine eine mögliche Zöliakie.

Morbus Duhring oder auch Dermatitis herpetiformis Duhring wird wissenschaftlich der Familie von Zöliakie zugeordnet. Dies ist für die betroffenen Personen sehr unangenehm. Es bilden sich kleine Bläschen, ähnlich Herpes die einen starken Juckreiz hervorrufen. Ausschlaggebend für diese Form ist in der Regel die subklinische Zöliakie. Nebst dem Juckreiz treten Rötungen auf, im Extremfall kann es zu Ekzemen kommen.

Irrglaube Krebs

Früher war man der Ansicht das Krebsrisiko wäre bei einer vorhandenen Zöliakie erheblich höher. Zwischenzeitlich wurde dies durch die Wissenschaft widerlegt. Lediglich bei Ursachen im Darm wäre ein leicht erhöhtes Risiko Darmkrebs zu bekommen. Bei einer Umstellung auf eine glutenfreie Kost über 5-10 Jahre kann dieses Risiko nochmals minimiert werden. Zöliakie hat aber nach dem neusten Stand der Wissenschaft keinerlei Einfluss auf Brust-oder-Lungenkrebs.

Zöliakie-Diagnose

Forscher und Wissenschaftler waren die letzten Jahre nicht untätig. Die Methoden eine Glutenunverträglichkeit nachzuweisen haben sich wesentlich verbessert.Das Blut wird als erstes auf Antikörper untersucht. Solche Antikörper sind immer in einer Form vorhanden wenn eine  Glutenunverträglichkeit besteht.

Kann das untersuchende Labor den Nachweis von Antikörpern nachweisen, können andere Erkrankungen wir das Reizdarmsyndrom oder Morbus Crohn mit den gleichen oder ähnlichen Symptomen ausgeschlossen werden.Wird die Blutuntersuchung erst nach einer Nahrungsumstellung gemacht verfälschen sich die Ergebnisse natürlich.

Um sich seiner Sache sicher zu sein wird meistens noch eine Magenspiegelung gemacht. Eine kleine Sache von einer Viertelstunde. Auf eine unangenehme, aufwendige Darmspiegelung kann verzichtet werden.

Über die Magenspiegelung kann der Arzt auf dem Monitor klar erkennen ob die Darmzotten in Mitleidenschaft gezogen sind. Zur Sicherheit können gleichzeitig Gewebeproben entnommen werden die dann endgültig Aufschluss geben.

Nach einer Nahrungsumstellung auf glutenfreie Nahrung wird dann zu einem späteren Zeitpunkt das ganze Prozedere wiederholt.

Zöliakie – Therapieren

Betroffenen Menschen bleibt nichts anderes übrig wie ihr Essverhalten komplett neu zu gestalten. Es muss auf alle glutenhaltige Nahrungsmittel verzichtet werden, nur so ist ein Erfolg möglich.

Zumindest am Anfang sollten Patienten mit ihrem Arzt in Verbindung bleiben. Der Verzicht auf Gluten kann schnell zum Mangel an Vitaminen und Spurenelementen führen. Der Arzt kann gezielt Nahrungsergänzungsmittel empfehlen um Defizite auszugleichen.

Solche Nahrungsergänzungsmittel enthalten:

  • Zink
  • Eisen
  • Vitamin D
  • Vitamin A
  • Folsäure
  • Vitamin B6
  • Vitamin B12
  • Kupfer

Der Arzt entscheidet dann wann diese Nahrungsergänzungsmittel wieder abgesetzt werden können. Dies ist in der Regel der Fall wenn sich der Dünndarm regeneriert hat und wieder auf eine normale, gesunde und ausgewogene Ernährung umgestellt werden kann. Hier müssen sich Patienten jedoch in Geduld üben, dieser Prozess kann ein Jahr oder länger dauern.

Gluten sind kennzeichnungspflichtig

In jeder Zutatenliste müssen gemäss Gesetz Gluten aufgeführt werden. Gluten befinden sich nicht nur in Lebensmitteln. Auch in Produkten zur Zahn-und-Mundpflege wie in vielen Arzneien sind Gluten enthalten. Betroffene Personen sind gut beraten auch beim Kauf solcher Produkte auf Glutenfreiheit zu achten.

Ein fachlich ausgewiesener Ernährungsberater weiss um die Problematik von Zöliakie. Er kann Tipps geben wie der Speiseplan auch ohne Gluten nicht zu trist werden muss.